Edward Snowdens Enthüllungen sorgen für tägliche Schlagzeilen, doch seine Informationen über die Schnüffeleien des amerikanischen Geheimdienstes NSA und das flächendeckende Abhörsystem „Echelon“ sind für Klaus-Dieter Matschke, Besitzer der Frankfurter KDM-Sicherheitsconsulting nichts Neues.

„Ich habe schon vor Jahren erwähnt und darauf hingewiesen, wie gefährlich das ist,“ so der Spionageabwehrexperte, der 2001 die EU-Sonderkommission zum Thema Echelon beriet. Matschke hatte erkannt, dass das System die flächendeckende Überwachung der Telekommunikation und des Internets weltweit ermöglicht. „Zu den Mitmachern gehörten damals wie heute Kanada, Australien, Neuseeland und Großbritannien“, so Matschke. 2001 waren die Untersuchungen abgeschlossen und der Beauftragte Gerhard Schmid berichtete im EU-Parlament. Mit seiner Rede wurde die Existenz von Echelon „amtlich“. Auch er wundert sich über die Berichterstattung.

„Die Tatsache, dass Nachrichtendienste internationale Kommunikation abgreifen ist nicht neu, die Welt hat nur ein kurzes Gedächtnis“, sagt der engagierte SPD-Politiker. Abgehört würde doch überall und das sei kein Geheimnis. Schmid verweist auf die Webseite des Bundesnachrichtendienstes (BND). „Klicken sie auf SIGINT, da haben Sie es schriftlich. Signals Intelligence ist die elektronische Informationsbeschaffung, weltweit.“

Die sogenannte Prism-Überwachung sei in den USA nicht verfassungswidrig. In Deutschland müssten allerdings die Begriffe mit denen die Suchmaschinen gespeist werden, von der G-10-Kommission genehmigt werden. Die Amerikaner wüssten nicht, welche Suchbegriffe die NSA verwendet. Neu aber ist allerdings die Information, dass Google, YouTube, Twitter, Skype und Facebook Informationslieferanten der Geheimdienstler sein sollen, weil sie angeblich Teil des sogenannten Prism-Überwachungsprogramms sind und den Zugriff auf ihre Daten gewähren. Das bedeutet, jedes Wort, jedes Bild das die Nutzer über sich dort preisgeben wäre ungeschützt.

Was auch empfindlich stört ist die Vermutung, dass die sozialen Netzwerke dieses System geöffnet haben, um an einer ganz besonderen Form der Wirtschaftsspionage zu verdienen. Die Rede ist von Deals mit der Industrie. Die persönlichen Daten und Bilder der Nutzer sind Gold wert, informieren sie doch über Vorlieben und Verhalten, was die perfekte gewinnorientierte Werbung ermöglicht.

Wer in dieser gläsern gewordenen Welt auf Nummer sicher gehen möchte, der hat nur eine Chance: „Das persönliche Gespräch unter vier Augen an einem Ort, der nicht abgehört werden kann“, sagt Klaus-Dieter Matschke.